Thomas Krieg-A Cold Krieg-curated by Emilie Kiefhaber @ Tresor Bank Austria Kunstforum

Thomas Krieg ist ein Künstlername. Nomen est omen, denn Thomas Krieg beschäftigt sich fortlaufend mit der Thematik des Krieges. Sowohl die großen Kriege der Menschheitsgeschichte, als auch die einzelnen Konflikte zwischen kleineren Gruppen oder Individuen, sind Ausdruck einer Gewalt, die in Form von Kriegen ihre schrecklichste Gestalt annimmt.

„A Cold Krieg“ ist bereits die zweite Ausstellung von Thomas Krieg im Tresor des Bank Austria Kunstforums. Der Künstler, ein Autodidakt, arbeitet seit Jahren autonom und abseits der Kunstszene. Seine Arbeiten gestaltet er in verschiedenen Medien wie Zeichnung, Graffiti, Video und Installation. „A Cold Krieg“ bedient sich exemplarisch eines historischen Beispiels, um die Mechanismen, die Kriegen unterliegen, zu untersuchen. Dabei wählt der Künstler bewusst bekannte und wiedererkennbare Motive und Referenzen, um den Betrachter direkt mit der Thematik zu konfrontieren.

„The (Bloody) Hotline“ verläuft zwischen einem russischen und einem amerikanischen Telefon. Es ist eine Referenz zum sogenannten Heissen Draht, auch bekannt als das Rote Telefon, ein Artefakt, das wie kein anderes den Kalten Krieg symbolisierte. Tatsächlich gab es dieses Rote Telefon niemals in dieser Form. Es ist ein Beispiel dafür, wie Kriegspropaganda, sich starker Bilder bedient, um unsere Wahrnehmung von den Geschehnissen zu manipulieren. Die zwei schwarzen Quadrate von „S.- A.B.O.T (Soviet-American Balance of Terror)“ stellen die beiden Opponenten USA und die ehemalige Sowjetunion dar. Sie dienen als Subjekte für alle weiteren Werke dieser Ausstellung. Die Serie der aufgerichteten Raketenspitzen „War Heads“ ist ein Verweis auf die Rüstungsindustrie, die in reger Produktion läuft, um den Wettlauf zur Macht fortzuführen.

An dieser Stelle drängt sich die Frage auf: Warum Krieg? 1932 widmeten Sigmund Freud und
Albert Einstein in einem Briefwechsel ihre Gedanken dieser Frage. Das Entsetzen über den ersten Weltkrieg noch in den Köpfen und Knochen der Europäer, erinnert Freud daran, dass zerstörerische Triebe in der Natur des Menschen liegen. Die Kulturentwicklung scheint mit der Kraft der Vernunft dagegen zu halten, jedoch sind diese Triebe niemals überwunden- sie werden unterdrückt. Freud erläutert weiter, dass das absolute Gute, welches sich klar von einem Bösen trennen läßt, nicht existiert. Die Motive, die zu einem Kriegsausbruch führen, sind letztendlich so zahlreich, wie die Konflikte selbst, die wir seit Anbeginn der Geschichte zählen. Wiederholungen, die bei Konflikten menschlicher Natur zu beobachten sind, ersparen dem Beobachter jedoch nicht, jeden einzelnen Konflikt für sich zu untersuchen.

Ob der Künstler optimistisch oder pessimistisch gesinnt ist, verrät vielleicht der erste Raum dieser Ausstellung. „Nuclear Winter“ ist eine düstere Zukunftsvision. Eine von Sonnenlicht verlassene Landschaft erstreckt sich im Raum des Betrachters. So stünde es um die Erde nach einem nuklearen Angriff. Thomas Krieg hat die Aktualität des Themas erfasst. Das Titelblatt des Magazins „Der Spiegel“ vom 17.3. 2018 meldete: „Todesgrüsse aus Moskau. Der Giftanschlag und der neue Kalte Krieg“.

Emilie Kiefhaber

A Cold Krieg von Thomas Krieg
Sonderausstellung im Tresor des Bank Austria Kunstforum Wien
Datum: 5.4.2018 (19:00 – 24:00)

A Cold Krieg

PT_ A COLD KRIEG Thomas Krieg

© Nick Rainer

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